Die mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte der Juden im Burgenland bzw. in Österreich ist geprägt von Vertreibung und Aussiedlung. Ursachen dafür sind politische Ereignisse und religiöser Antisemitismus. Besonders in Krisenzeiten bei religiösem Aufruhr, bei Naturkatastrophen, bei Epidemien oder bei sozialen Spannungen kamen die antijüdischen Vorurteile und Stereotypen zum Ausbruch.
So wurde gegenüber den Juden beispielsweise der Vorwurf erhoben, sie würden christliche Kinder zu rituellen Zwecken töten oder geweihte Hostien schänden.
Es wurde ihnen vorgeworfen, durch Wucher zur Verarmung der christlichen Bevölkerung beizutragen, nachdem ihnen jede Handwerkstätigkeit - außer für den Eigenbedarf - untersagt worden war und sie auch per Gesetz vom Landbesitz und damit von der landwirtschaftlichen Tätigkeit ausgeschlossen worden waren und sie sich somit verstärkt dem Handel und auch dem Geldhandel zugewandt hatten zumal dieser Geldhandel von der Kirche als „Wucher“ abgelehnt wurde.
Im 19. Jahrhundert wurden die Juden zudem diffamiert, eine „Weltverschwörung“ zu planen, um die Weltherrschaft zu erlangen.
Die Folgen all dieser Anschuldigungen waren für die jüdische Bevölkerung in den meisten Fällen verheerend, da sie zum Auslöser von Diskriminierung, Verfolgung, Vertreibung und von Massakern wurden.
Obwohl in Teilen der Bevölkerung ein latenter Antisemitismus vorhanden war, wird in Frauenkirchen das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden als ein friedliches Miteinander beschrieben. Die Märzereignisse des Jahres 1938 zeigen jedoch deutlich, dass es einen latenten bodenständigen Antisemitismus gab, der mit der NS-Machtübernahme offen zu Tage trat. Dieser Antisemitismus war weniger rassistisch oder religiös, sondern war wirtschaftlich geprägt.
(© Herbert Brettl)