Als 1670 die Juden aus Wien und Niederösterreich ausgewiesen wurden, fand eine kleine Gruppe der Flüchtlinge Zuflucht bei den Zisterziensern in Mönchhof. 1678 wurden diese von marodierenden Soldaten überfallen, geplündert und misshandelt. Daraufhin verfügte der Abt von Heiligenkreuz, dass die Juden den Ort verlassen müssten.
Graf Paul Esterházy erklärte sich bereit, die aus Mönchhof vertriebenen Juden aufzunehmen. Diese jüdischen Händler und Handwerker kamen ihm bei seinem Bestreben, den Wallfahrtsort Frauenkirchen zu einem neuen wirtschaftlichen Zentrum der Region zu machen, gerade recht. Gegen Zahlung des „Schutzgeldes“, Steuern und Abgaben gewährte der Fürst den Juden das Wohnrecht, seinen persönlichen Schutz sowie eine autonome Verwaltung. Für die „Esterházyschen Schutzjuden“ bedeutete dies zumindest offiziell Schutz vor der Willkür seitens der übrigen Bevölkerung und der Behörden. Eine Gleichstellung mit den anderen Untertanen wurde dadurch jedoch nicht vollzogen, da das Leben der jüdischen Bevölkerung weiterhin durch zahlreiche Vorschriften und Verbote reglementiert war, besonders bei der Ausübung von Berufen.
Paul Esterházy wies den Juden Grund und Boden auf der Rückseite des Ober- und Unterdorfes zu und zu Michaeli 1678 bewohnten bereits „29 Paar Juden“ Frauenkirchen. In den darauf folgenden Jahren stieg ihre Zahl von rund 100 Personen um 1700 kontinuierlich an und erreichte 1876 mit 864 Bewohnern ihren Höhepunkt.
(© Herbert Brettl)