Die nach Wien abgeschobenen Juden fanden zumeist bei Verwandten oder Freunden Unterkunft bzw. wenn dies nicht der Fall war, wurden sie jüdischen Familien zugeteilt. Ende Juli 1938 befanden sich 222 Juden aus Frauenkirchen in Wien.
In Wien betrieben sie ihre Emigrationsansuchen weiter. Je länger die Wartezeit auf ein Aufnahmeland dauerte, desto schwieriger wurde es für die Flüchtlinge, das Deutsche Reich zu verlassen. Das Ghetto in Wien wurde für die Vertriebenen eine Zeit des Wartens und Hoffens auf ein Aufnahmeland. Eine Zeit, die zunehmend zum Wettlauf mit dem Tode werden sollte. Mit dem Kriegsausbruch am 1.September 1939 wurde die Möglichkeit zur Flucht und Vertreibung der Juden aus dem „Deutschen Reich“ noch mehr eingeschränkt.
Rund 30 jüdische Familien flohen nach Ungarn und in die Slowakei. Als die Diktatoren dieser Staaten mit dem NS-Regime in Deutschland zusammenarbeitenden, saßen sie „in der Falle“. Aus Verzweiflung begingen im Juni 1944 der ehemalige Gemeindearzt von Frauenkirchen Dr. Johann György und seine Familie im Budapester Ghetto Selbstmord. Nur die wenigsten Flüchtlinge überlebten den Terror und die Deportationen. Ebenso fielen die nach Westeuropa sowie nach Frankreich und Belgien Geflohenen nach Kriegsbeginn wieder in die Hände der Nationalsozialisten.
Trotz Beschränkungen gelang es rund 100 Frauenkirchener Juden in Palästina Aufnahme zu finden. Für die religiös Orthodoxen war Palästina der Garant dafür, ihr religiöses frommes Leben weiterführen zu können. Die meisten Flüchtlinge waren in den jeweiligen Aufnahmeländern zumeist nur geduldete Almosenempfänger, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden.
(© Herbert Brettl)