Moses Krausz, 1889 in Nemes-Jàcz in Ungarn geboren, ergriff den Lehrerberuf und erhielt 1914 eine Lehrerstelle in der orthodoxen jüdischen Gemeinde Frauenkirchen. Er gründete mit seiner Frau Margarethe eine Familie, der eine Tochter und drei Söhne entstammten. Sein Leben war sehr beschaulich. Sowohl von der jüdischen als auch von der christlichen Bevölkerung wurde er geachtet. Moses Krausz war ein religiöser Mann, der die rituellen Bräuche einhielt. Neben seinem Lehrberuf widmete er sich der Imkerei.
Das Ende der jüdischen Gemeinde in Frauenkirchen traf Moses Krausz völlig unvorbereitet. Am 19. April 1938 wurde er verhaftet und verhört. Sein privater Besitz wurde beschlagnahmt. Entrechtet und enteignet verbrachte er verzweifelte und schlaflose Nächte. Nach einer Anordnung mussten er und seine Familie bis zum 30. Juni Frauenkirchen verlassen. Die Familie zog nach Wien und fand bei Verwandten Unterkunft.
Nach einem Gestapoverhör, bei dem er misshandelt wurde, entschloss sich Moses Krausz, mit seiner Familie auszuwandern. Es gelang ihnen, eine Einreisebewilligung nach Portugal zu erhalten, und so verließ er sehr unglücklich im September 1938 seine Heimat. Sein jüngster Sohn Ernst entschloss sich, mit einer Jugendgruppe nach Palästina zu emigrieren. Moses, seine Frau Margarethe und ihre Tochter konnten nach monatelangem Lagerleben in Lissabon nach Palästina weiterreisen. Seine Söhne Alexander und Markus blieben in Portugal.
Moses Krausz versuchte, mit seiner Familie in Palästina unter ärmlichen Verhältnissen ein neues Leben zu beginnen. Das Ehepaar konnte in Israel jedoch nicht wirklich Fuß fassen, da es sich nicht an das Klima gewöhnen konnte und die Sprache ihm fremd blieb. 1951 verstarb seine Frau Margarethe und kurz darauf kehrte Moses Krausz nach Wien zurück. Bis zu seinem Tode 1978 führte er ein zurückgezogenes Leben in Wien.
(© Herbert Brettl)