Paul Rosenfeld wurde 1918 in Kapuvar in Ungarn geboren. Seine ersten zehn Lebensjahre verbrachte Paul in Neusiedl am See, wo seine Eltern nach der Übersiedlung mit Verwandten eine Mühle betrieben.
1928 zog die Familie nach Frauenkirchen und baute dort einen Getreidehandel auf. Nach Ablegung der Matura wollte Paul an einer Universität weiterstudieren, doch wegen eines tödlichen Verkehrsunfalls seines Bruders blieb er im elterlichen Betrieb.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 floh Paul mit seiner Familie zu Verwandten nach Budapest. Er wollte weiter nach Übersee auswandern, doch der Ausbruch des Krieges machte dies unmöglich. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Ungarn wurden Pauls Eltern und viele andere Verwandte im Sommer 1944 ins Konzentrationslager nach Auschwitz gebracht und dort umgebracht. Paul Rosenfeld wurde wie tausende andere ungarische Juden zum Bau des „Ostwalls" in die Gegend von Deutschkreutz gebracht. Beim Herannahen der Roten Armee wurden Paul und viele andere Zwangsarbeiter auf den berüchtigten „Todesmarsch" nach Mauthausen getrieben. Die chaotischen letzten Kriegstage ermöglichten es Paul zu überleben.
Nach dem Krieg kehrte Paul nach Budapest zurück, doch nach der Errichtung der kommunistischen Diktatur entschieden sich er und seine Frau 1949 nach Australien auszuwandern. Bevor er abreiste, besuchte er noch einmal seine alte Heimat Frauenkirchen und entschied sich zu bleiben. Er ist der einzige Jude, der nach Frauenkirchen zurückkehrte. In den nächsten Jahren baute er einen erfolgreichen Getreide- und Landesproduktenhandel auf und die Bauern der Region schätzten ihn als Geschäftspartner.
Paul Rosenfeld starb 2003. Mit dem Tode von Paul Rosenfeld ging die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Frauenkirchen, die 1678 begonnen hat und 1938 gewaltsam aufgelöst worden ist, endgültig zu Ende.
(© Herbert Brettl)