Renée Rechnitzer wurde 1928 in Frauenkirchen geboren, wo ihr Vater mit ihrem Onkel einen gut gehenden Eisen-, Gemischtwaren- und Baumaterialienhandel betrieb.
Im März 1938 wurde die Familie von den Nationalsozialisten enteignet und im September von Frauenkirchen nach Wien vertrieben. Vergeblich versuchte der Vater ein Visum für die Einreise in die Vereinigten Staaten zu erhalten. Im Sommer 1939 schaffte es die Familie Rechnitzer, wenigstens nach Frankreich zu gelangen, da Renées Mutter dort eine Schwester angeben konnte. Verzweifelt, immer noch auf Einreisepapiere in die USA hoffend, starb der Vater 1940 im Exil.
Als die Deutsche Wehrmacht kurz vor Paris stand, floh die Familie 1940 in den Süden nach Clermont Ferrand, wo sie sich verstecken konnte. Als auch dort die Sicherheit nicht mehr gewährleistet war, wurde Renée zu ihrer Tante und ihrem Onkel nach Marseille geschmuggelt. Nur wenige Tage nach ihrer Abreise wurden ihr Bruder Eugen und ihre Mutter Hedwig verhaftet und im September 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Bald war Renée auch in Marseille nicht mehr sicher und sie floh mit ihren Verwandten in die Nähe der Pyrenäen. Zwei Jahre lang, bis Ende 1943, konnten sie unerkannt bei einer Familie leben. Als auch dort die Verhaftungen begannen, wurde Renée mit Hilfe einer Schuldirektorin in ein Kloster bei Tarbes an der spanischen Grenze gebracht. Bis zum Kriegsende blieb Renée dank einer neuen Identität unerkannt im Kloster versteckt.
Auf ihrer abenteuerlichen mehrjährigen Flucht hat sie ihre gesamte Familie verloren. Im August 1945 zog Renée mit ihrem Onkel und seiner Familie nach Paris und begann ein neues Leben.
(© Herbert Brettl)